Die Verfahrensdokumentation

Sofern Unternehmer nicht das Risiko von Hinzuschätzungen bei Betriebsprüfungen eingehen wollen, müssen sie eine Verfahrensdokumentation vorlegen können – oftmals bereits unmittelbar nach Prüfungsanordnung.

I. Was ist eine Verfahrensdokumentation und wer muss eine solche führen?

Verfahrensdokumentationen sind dazu gedacht, den Aufbau sowie die organisatorischen Abläufe in einem Unternehmen, die einen Bezug zur Buchhaltung haben, stringent und nachvollziehbar darzustellen. Dazu gehören neben den allgemeinen Strukturen wie Belegablage und Finanzbuchhaltung auch sämtliche, für die individuellen Geschäftsprozesse relevanten Unterlagen. Hierzu können auch der (elektronische) Schriftverkehr sowie Lohnabrechnungen und Zeiterfassungsprozesse gehören. Die Verfahrensdokumentation erweitert dabei die allgemeinen Anforderungen an die Buchhaltung, die sich aus der originären Buchführungspflicht, aus dem Handelsgesetzbuch sowie der erweiterten Buchführungspflicht der Abgabenordnung, den Grundsätzen zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff (GoBD) ergeben, um einen weiteren Sachverhalt. Insofern besteht für die Unternehmen eine Pflicht zur Erstellung und Führung einer Verfahrensdokumentation, die Gewinneinkünfte nach §§ 5, 4 Abs. 1 EStG erzielen. Dahingehend gibt es keine Ausnahmentatbestände, sodass selbst Kleinbetriebe eine Verfahrensdokumentation führen müssen.

II. Aufbau und Inhalt einer Verfahrensdokumentation

Die Verfahrensdokumentation muss für einen sachverständigen Dritten, insbesondere für die Prüfer der Finanzbehörden, nachvollziehbar und lückenlos sein. Die Dokumentation aller relevanten Vorgänge soll hierbei auf eine solch übersichtliche Weise erfolgen, dass dem sachverständigen Dritten innerhalb kurzer Zeit ein Überblick verschafft werden kann. Doch wie genau sollte eine Verfahrensdokumentation aufgebaut sein, um dem gerecht zu werden? Die konkrete Ausgestaltung hängt selbstverständlich von dem jeweiligen Unternehmen und dessen Geschäftsprozessen ab. Das Bundefinanzministerium geht allerdings von einem wie folgt beschriebenen allgemeinen Aufbau aus:

1. Allgemeine Beschreibung

Im Rahmen der allgemeinen Beschreibung soll die Organisation des Unternehmens dargestellt werden. Insbesondere sind hier Mitarbeiterzuständigkeiten sowie das betriebliche Umfeld näher zu erläutern. Weiterhin sind die steuerrechtlich relevanten Abläufe zu beschreiben. Die getätigten Geschäftsprozesse sollten dabei von Anfang bis Ende, also von der Auftragsbearbeitung über die Buchführung und den damit verbundenen Zahlungsverkehr bis hin zur Archivierung von Unterlagen übersichtlich dargestellt sein.

2. Anwenderdokumentation

Die Anwenderdokumentation bezeichnet die genutzte Software. Der Vollständigkeit halber sollte ebenfalls die Bedienungsanleitung für die jeweilige Software mit hinterlegt werden.

3. Technische Systemdokumentation

Ebenfalls sollte die gesamte EDV-Nutzung im Unternehmen dargestellt werden. Hierzu zählt neben der Hardware und den Anwendungsdienstleistern auch die Datensicherung und der Datenschutz.

4. Betriebsdokumentation

Schließlich gehört zu einer ordnungsgemäßen Verfahrensdokumentation auch die Beschreibung des internen Kontrollsystems. Dieses soll die Einhaltung der Verfahrensanweisungen garantieren und zu einer lückenlosen Betriebsdokumentation führen. Weiterhin muss die Verfahrensdokumentation immer dem aktuellen, in der Praxis eingesetzten Verfahren entsprechen. Änderungen müssen historisch nachvollziehbar sein; insbesondere muss erkennbar sein, welche Programmversion für welchen Zeitraum genutzt worden ist.

III. Konsequenzen einer lückenhaften Verfahrensdokumentation

Wird der Finanzverwaltung nur eine lückenhafte oder im schlimmsten Fall überhaupt keine Verfahrensdokumentation vorgelegt, so liegt ein formeller Mangel mit sachlichem Gewicht vor und es besteht die Möglichkeit, dass der Prüfer die gesamte Buchführung verwirft. In der Konsequenz können Hinzuschätzungen von bis zu 10 Prozent des Jahresumsatzes auf den steuerpflichtigen Gewinn drohen. Solche Kosten sind unnötig und vermeidbar. Um sich bereits im Vorfeld abzusichern, sollten Unternehmen bei Zweifeln an der Vollständigkeit professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Gerne beraten unsere Steuerberater Sie ausführlich zu dem Thema und unterbreiten Ihnen maßgeschneiderte Lösungen für ihr Unternehmen.

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    BAFA – Förderung unternehmerischen Know-hows

    Mit einem Förderprogramm des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) werden Beratungen kleiner und mittlerer Unternehmen in wirtschaftlichen, aber auch finanziellen, personellen und organisatorischen Themenbereichen gefördert. Das Programm mit dem Namen „Förderung unternehmerischen Know-hows“ richtet sich insbesondere auch an Unternehmen, die in wirtschaftlichen Schwierigkeiten stecken und gibt diesen einen Beratungszuschuss zu sämtlichen Fragen betreffend Wiederherstellung der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit.

    Das Förderprogramm richtet sich zunächst an Unternehmen, die ihren Sitz in der Bundesrepublik Deutschland haben. Umfasst sind Jungunternehmen, die nicht älter als zwei Jahre sind, Bestandsunternehmen ab dem dritten Jahr nach der Gründung und Unternehmen, die sich in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befinden – unabhängig von ihrem Unternehmensalter. Letztere müssen neben dem Sitz in Deutschland die Voraussetzungen der Leitlinien für staatliche Beihilfen zur Rettung und Umstrukturierung nichtfinanzieller Unternehmen in Schwierigkeiten (2014/249/01), Nummer 20 Buchstabe a oder Nummer 20 Buchstabe b erfüllen.

    Keine Antragsberechtigung haben allerdings Unternehmer oder Freiberufler, die beratende oder schulende wirtschaftliche Tätigkeiten ausüben sowie solche, über die ein Insolvenzverfahren eröffnet wurde oder welche die Voraussetzungen hierfür erfüllen. Weiterhin sind solche Unternehmen ausgenommen, die in einem Beteiligungsverhältnis zu Religionsgemeinschaften, juristischen Personen des öffentlichen Rechts oder zu deren Eigenbetrieben stehen und daneben auch gemeinnützige Unternehmen. Außerdem können landwirtschaftliche Betriebe und solche Unternehmen, die in der Fischerei und Aquakultur tätig sind, keinen Antrag stellen.

    Das Förderprogramm „Förderung unternehmerischen Know-hows“ umfasst verschiedene Beratungsgebiete, die unterteilt sind in allgemeine Beratungen zu allen wirtschaftlichen, finanziellen, personellen und organisatorischen Fragen der Unternehmensführung und vielen speziellen Beratungen.

    Hierunter fallen unter anderem auch Beratungen zu dem Thema Digitalisierung und der Verfahrensdokumentation.

    Unter die speziellen Beratungen fallen unter anderem solche Unternehmen, die von Frauen, Migranten oder Migrantinnen oder von Unternehmern mit einer anerkannten Behinderung geführt werden oder Unternehmen, die Menschen mit Behinderung bzw. Migranten und Migrantinnen besonders fördern. Daneben sind beispielsweise auch spezielle Beratungen für Unternehmen möglich, die zur Gleichstellung und besserer Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder besonders zu Nachhaltigkeit und Umweltschutz beitragen.

    Unternehmen in Schwierigkeiten erhalten Förderungen zu Beratungen für eine Unternehmenssicherungsberatung zur Wiederherstellung der wirtschaftlichen Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit und können daneben eine weitere allgemeine Folgeberatung in Anspruch nehmen.

    Während Jungunternehmen und Unternehmen in Schwierigkeiten die Förderungen über den gesamten Förderungszeitraum von 6 Monaten beanspruchen können, ist die Förderung für Bestandsunternehmen auf maximal fünf Beratungstage begrenzt.

    Die Höhe der Förderungen richtet sich nach Unternehmensart und der jeweiligen Region. Jungunternehmen erhalten bei einer Bemessungsgrundlage von 4.000 Euro je nach Region einen Fördersatz von 50%-80%. Gleiches gilt für Bestandsunternehmen, wobei hier die Bemessungsgrundlage bei 3.000 Euro liegt. Unternehmen in Schwierigkeiten erhalten unabhängig vom Standort einen Fördersatz von 90% bei einer Bemessungsgrundlage von 3.000 Euro.

    Die Beratung im Rahmen des Förderprogramms erfolgt durch selbstständige Beraterinnen und Berater oder durch Beratungsunternehmen, die durch die Beratertätigkeit ihren überwiegenden Umsatz erzielen. Neben der Zulassung im Förderverfahren müssen sie einen bestimmten Qualitätsnachweis erbringen, um so die richtlinienkonforme Durchführung der Beratung zu gewährleisten.

    Vor der Antragstellung müssen Jungunternehmen und Unternehmen in Schwierigkeiten ein Informationsgespräch bei einem regionalen Ansprechpartner durchgeführt haben, welches für sie kostenlos ist. Bei Bestandsunternehmen besteht dieses Erfordernis nicht. Die Antragstellung muss spätestens drei Monate nach diesem Gespräch über die Online-Antragsplattform der BAFA erfolgen. Nach Erhalt eines Informationsschreibens müssen bestimmte Unterlagen eingereicht werden, bis schließlich die Anmeldung und nach Bewilligung die Auszahlung des Zuschusses erfolgen kann.
    Kommen Sie bei Fragen hierzu gerne auf uns zu. Wir halten Sie zu diesem Thema weiter auf dem Laufenden!

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    ESOP - Reform / Fondsstandortgesetz

    Verbesserung der Mitarbeiterbeteiligung?


    ESOP-Reform / Fondsstandortgesetz: Verbesserung der Mitarbeiterbeteiligung?

    Im Vergleich zum internationalen Wettbewerb liegt Deutschland bei Möglichkeiten der Mitarbeiterbeteiligung ganz weit hinten. Das liegt vor allen Dingen an der restriktiven steuerlichen Handhabung. Wer sich dennoch entschließt seine Mitarbeiter zu beteiligen, muss auf komplexe Konstrukte wie „virtuelle Mitarbeiteroptionen“ (VSOPs), Phantom Shares oder Stock Appreciation Rights ausweichen. Nachdem jahrelang Experten und Start-Ups auf dieses Problem aufmerksam gemacht haben, hat sich die Bundesregierung nun entschieden mit dem Entwurf zum sog. „Fondsstandortgesetz“ Mitarbeiterbeteiligungen zu vereinfachen.

    Wie funktionieren Mitarbeiterbeteiligungen überhaupt?

    Mitarbeiterbeteiligungen sind im Wesentlichen Erfolgsbeteiligungen und dienen als Anreiz, um Fachkräfte zu rekrutieren. Im Falle eines Börsengangs oder Exits des Start-Ups erhalten die Mitarbeiter dann ihre Beteiligungen am Unternehmen ausgezahlt.

    Was wird aktuell bemängelt?

    Das Hauptproblem besteht in der sog. Dry-Income-Problematik. Diese betrifft den Besteuerungszeitpunkt bei der Zuteilung vergünstigter Anteile oder Optionen. Grundsätzlich gilt nämlich, dass bereits zum Zeitpunkt der Zuteilung ein Steuerzugriff erfolgt, also bevor der (virtuelle) Geschäftsanteil überhaupt Geld einbringen konnte. Dies ist problematisch, da vor einem Exit oftmals weder die Gesellschaft noch der Mitarbeiter über ausreichend Mittel verfügt um die kurzfristige Steuerlast ausgleichen zu können.

    Was soll sich nun ändern?

    Insbesondere soll bzgl. der Dry-Income-Problematik die Steuer auf die Zuteilung von (virtuellen) Anteilen erstmals in die Zukunft verschoben werden können. Voraussetzung dafür ist nach dem Referentenentwurf, dass es sich um echte Geschäftsanteile handelt, es sich also nicht nur lediglich um Optionen handelt und das Unternehmen ein KMU ist, also beispielsweise weniger als 250 Mitarbeiter beschäftigt und nicht älter als zehn Jahre ist.

    Kritik am Entwurf

    Zwar führt die geplante Reform in einigen Bereichen zu einer Verbesserung, dennoch löst sie nicht alle Probleme des Mitarbeiterbeteiligung-Problems in Deutschland. Zum einen schließt das Erfordernis, dass es sich um ein KMU handeln muss bereits viele „Grown-Ups“ aus – ein Bereich, in dem Deutschland ohnehin schon hinter dem internationalen Wettbewerb liegt. Zum anderen ist die Vergabe echter Geschäftsanteile nicht unproblematisch, sodass auch an diesem Erfordernis viele Start-Ups scheitern dürften. Außerdem sieht der geplante Referentenentwurf vor, dass die Steuerlast maximal 10 Jahre ab Vergabe der Anteile in die Zukunft geschoben werden kann. Statistisch gesehen brauchen jedoch viele Start-Ups länger als 10 Jahre zum Exit; sie profitieren folglich auch nur bedingt von der neuen Regelung. Im schlimmsten Fall kann diese Befristung auf 10 Jahre sogar dazu führen, dass erfolgreiche Start-Ups zu früh in die Exit-Phase gedrängt werden.

    Schließlich knüpft der Referentenentwurf die Möglichkeit die Steuerlast in die Zukunft zu schieben an den Verbleib im Unternehmen. Dies führt jedoch praktisch dazu, dass Mitarbeiter wegen sonst anfallender Steuern gezwungen sind, in einem Unternehmen zu bleiben. Bei den aktuell genutzten schuldrechtlichen VSOP-Lösungen ist dies gerade nicht der Fall. Eine Abkehr hiervon erscheint trotz des geplanten Referentenentwurfs in der Praxis gerade deswegen unwahrscheinlich.

    Finanzminister Scholz plant die neuen Regeln am 01.07.2021 bereits in Kraft zu setzen. Vertreter von Start-Ups verlangen jedoch zunächst eine Abänderung des Entwurfes. Wir verfolgen die Entwicklungen und halten Sie auf dem Laufenden!

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    BFH-Urteil zur Kaufpreisaufteilung bei Grundstücken

    Seit April 2014 stellt das Bundesministerium für Finanzen der Steuerverwaltung eine Arbeitshilfe zur Aufteilung des Gesamtkaufpreises für ein bebautes Grundstück (Kaufpreisaufteilung) zur Verfügung. Mit Urteil vom 21.07.2020 (Az.: IX R 26/19) hat der Bundesfinanzhof nun entschieden, dass diese Hilfe im Streitfall zwischen Steuerpflichtigem und Finanzamt nicht mehr herangezogen werden darf.

    Wieso ist die Kaufpreisaufteilung überhaupt relevant?

    Wer eine Immobilie zum Zwecke der Einkünfteerzielung erwirbt, hat in der Regel Interesse an einer Aufteilung des Kaufpreises dergestalt, dass auf das Gebäude ein möglichst hoher sowie auf Grund- und Boden ein möglichst geringer Kaufpreisteil entfällt. Dies, da auf den Gebäudeanteil Abschreibungen für Abnutzung geltend gemacht werden können. Grundsätzlich ist das Finanzamt verpflichtet, die Werte aus dem notariellen Kaufvertrag zu übernehmen, solange keine nennenswerten Zweifel bestehen (BFH, Urteil vom 10.10.2000, Az.: IX R 86/97). Sollten eben jene Zweifel aufkommen, griff das Finanzamt in ständiger Praxis bis zuletzt auf die Arbeitshilfe des BMF zurück.

    Welcher Sachverhalt liegt dem aktuellen Urteil zu Grunde?

    Im konkreten Fall hatte die steuerpflichtige Klägerin eine vermietete Eigentumswohnung in einer Großstadt angekauft. Während die Klägerin von einem abschreibungsfähigen Gebäudeanteil von 82% ausging, kam die Finanzverwaltung über die Arbeitshilfe auf einen Gebäudeanteil von nur 31%. Der BFH ist diesem Missverhältnis nun entgegengetreten. Die Arbeitshilfe des BMF sei nicht vollkommen geeignet, die realen Verkehrswerte von Grund und Boden sowie Gebäude zu ermitteln. Begründet wird dies zum einen damit, dass die Arbeitshilfe nur auf das vereinfachte Sachwertverfahren zurückgreife. Zum anderen wird der Ortsfaktor, der insbesondere in Großstädten zu massiven Verkehrswertabweichungen führen kann, nicht berücksichtigt.

    Welche Folge hat das Urteil?

    Zunächst einmal führt das Urteil zur Unanwendbarkeit der Arbeitshilfe des BFM in strittigen Fällen. Stattdessen hat die Finanzverwaltung nun in Zweifelsfällen ein Gutachten eines unabhängigen vereidigten Sachverständigen einzuholen.

    In jedem Fall ist es sinnvoll im Grundstückskaufvertrag bereits nachvollziehbare und plausible Werte zu Grunde zu legen. Schließlich gilt das oben zitierte Urteil aus dem Jahre 2000 noch immer; das Finanzamt ist weiterhin gehalten, die Kaufpreisaufteilung aus dem notariellen Kaufvertrag zu übernehmen, sofern keine nennenswerten Zweifel bestehen. Solche ergeben sich nach ständiger Rechtsprechung erst, wenn beispielsweise Anhaltspunkte für ein Scheingeschäft oder einen Gestaltungsmissbrauch vorliegen.

    Zu Fragen der Gestaltung von Immobilienkaufverträgen sollte daher im Vorfeld des Kaufs der Steuerberater hinzugezogen werden.

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    Probleme des Onlinehandels aus steuerlicher Sicht

    Kaum eine Branche kann so rasches Wachstum in kürzester Zeit verbuchen wie der Onlinehandel. Das überrascht kaum bei circa 14 Millionen allein in Deutschland täglich zugestellten Paketen; Tendenz seit Beginn der Corona-Krise stark steigend. Doch genau dieses große Wachstum kann schnell unkontrolliert sein und ruft daher nicht selten das Finanzamt auf den Plan.

    Warum geraten vor allem der Onlinehandel oft ins Visier des Finanzamts?

    Onlinehandel war noch nie so einfach wie heute. Jeder Unternehmer kann heute über Konzerne wie Amazon Warenlager einfach mitbenutzen und muss sich keine Gedanken um Miete und Ähnliches machen. Doch genau hier lauert die Gefahr: Wer meint „einfach und schnell“ sein Onlinegewerbe zu betreiben, vergisst oft, sich um eine einwandfreie Buchhaltung zu bemühen und dies führt oft zu dramatischen Konsequenzen.

    Was muss genau beachtet werden?

    Die Liste der Voraussetzungen zum Betreiben eines Onlinehandels ist lang. Oft stellen sich Fragen zur korrekten Steueranmeldung, umsatzsteuerlichen Registrierung in EU-Ländern, Fragen zu FBA-Lagern und Ähnlichem. Insbesondere die Rechnungsschreibung wirft beim Onlinehandel spezielle Fragestellungen auf: Wie bestimmt sich der umsatzsteuerpflichtige Leistungszeitpunkt? Welche Umsätze werden wohin getätigt? Handelt es sich bei Lieferungen ins Ausland um innergemeinschaftliche Lieferungen oder Ausfuhrlieferungen?

    Die Beantwortung dieser Fragen ist oft nicht ganz einfach und stellt insbesondere kaufmännische und/oder steuerrechtliche Laien vor immense Herausforderungen. Nicht selten empfiehlt sich daher der Gang zu einem Steuerberater, der Erfahrungen mit Onlinehändlern aufweist, um Probleme bereits vorab zu vermeiden.

    Besonderheiten bei Lieferungen ins Ausland

    Die fortschreitende globale Vernetzung bietet allen Unternehmern die Chance, ihre Produkte auch im Ausland zu vertreiben. Solche Lieferungen können aber ausländischem (Steuer-) Recht unterliegen und auch bei Lieferungen innerhalb der EU ist die Harmonisierung des Steuerrechts, insbesondere der Umsatzsteuer, keinesfalls gegeben. Oftmals muss sich der Unternehmer für Zwecke der Umsatzsteuer in anderen EU-Ländern registrieren und ggfs. Verbringungsnachweise liefern.

    Relevant sind in diesem Zusammenhang die sog. Lieferschwellen. Ab einer gewissen Umsatzhöhe besteht ggfs. eine Umsatzsteuerpflicht im EU-Ausland und die Rechnung des Unternehmers darf somit keine deutsche Umsatzsteuer mehr ausweisen.

    Große Auswirkung kann in diesem Zusammenhang z.B. das Amazon Pan-EU-Verfahren haben. Bereits mit einem einfachen Haken in den Einstellungen stimmt der Online Händler der Nutzung von Amazon Warenlagern in der EU zu. Seine Ware wird folglich nicht nur in deutsche Warenlager verbracht, sondern kann ebenfalls in Polen, Italien oder einem sonstigen Lager landen. Dieses Verfahren ist an sich selbstverständlich unbedenklich, jedoch wird das innergemeinschaftliche Verbringen einer innergemeinschaftlichen Lieferung (§ 6a Abs. 2 UStG) gleichgestellt. Unter Umständen muss also hier bereits eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer im dem jeweiligen Land beantragt werden. Problematisch wird es, wenn es für den Händler nicht nachvollziehbar ist, in welche Länder seine Ware verbracht wird. Das ist mitunter nicht selten der Fall, da z.B. Amazon nicht ausdrücklich kommuniziert in welche Lager es die Ware transportiert. Der Händler muss sich stattdessen mit einer geeigneten Software ausstatten, die die Verbringung erkennt und den Unternehmer darüber informiert.

    Welche Tools werden benötigt im Onlinehandel?

    Nicht nur bei dem o.g. genannten Pan-Verfahren helfen Anwendungen und Programme den Onlinehandel effizienter und lukrativer zu machen. Was für den Einzelhändler die ordentlich gepflegte Kasse ist, ist für den Onlinehändler ein digitales Set-Up. Insbesondere zur debitorischen Erfassung von Verkäufen, die beim Onlinehandel schnell in großen Zahlen vorliegen, bedarf es einer speziellen Software.

    Herausfordernd für die ordnungsgemäße Buchhaltung zur Einhaltung der GoBD sind die vielfach genutzten Zahlungsmethoden wie Amazon Pay, Paypal oder Ähnliche, die regelmäßig keine Rechnungsnummer auf den Belegen ausweisen. Händisches Ausziffern ist durch oftmals gleichpreisige Produkte beinahe unmöglich und nimmt vor allem zu viel Zeit in Anspruch und belastet somit das Budget zu sehr.

    Ungenaue oder fehlerhafte Buchungen können schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen, da nach §146 Abs. 1 S. 1 AO, §239 Abs. 2 HGB jeder Geschäftsvorfall vollständig nachvollziehbar sein muss. Ist dies nicht der Fall, wird dem Finanzamt „Tür und Tor“ für Hinzuschätzungen geöffnet und dies sollte unbedingt vermieden werden.

    Wir verfügen über das Know-How, Daten über Schnittstellen aus den Shopsystemen in die Buchhaltung zu DATEV zu übernehmen. Durch diese deutlich effizientere Lösung, kann die Buchhaltung schneller erledigt werden, was dem Unternehmer Kosten spart.

    Insgesamt kann ein Online Händler wohl kaum auf die Nutzung von externen Warenwirtschaftssystemen/Shopsystemen wie JTL, Shopify, plentymarkets, Magento, Shopware, WooCommerce oder Ähnlichen Softwarelösungen verzichten. Bei der Auswahl des richtigen Betriebssystems und dem anschließenden Umgang sollte jeder Händler allerdings fachmännische Beratung in Anspruch nehmen um die Fehlerquote so gering wie möglich zu halten.

    Fazit

    Insbesondere Online Händler laufen Risiko, Ziel einer (umsatz-) steuerlichen Prüfung durch die Finanzämter im In- aber auch im Ausland zu werden. Sollten sich hierbei Unstimmigkeiten zeigen, können dem Online Händler hohe Nachzahlungen, bis hin zu Strafverfahren, drohen, die im schlimmsten Fall sogar zur Insolvenz führen können. Daher ist es unerlässlich einen fachkundigen Steuerberater an seiner Seite zu haben, der sich mit den besonderen Fragestellungen im Onlinehandel auskennt.

    Gerne beraten unsere Steuerberater Sie ausführlich zu dem Thema und unterbreiten Ihnen maß-geschneiderte Lösungen für ihr Unternehmen. Bitte nehmen Sie bei Interesse Kontakt per E-Mail, per Formular auf unserer Website oder telefonisch mit uns auf.

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